Etwas auf dem Kerbholz haben

Das Kerbholz war ein Holzstab, welcher der Länge nach gespalten wurde. In die beiden zusammengelegten Hälften schnitten zwei Parteien – Gläubiger und Schuldner oder Auftraggeber und Auftragnehmer – die gleiche Anzahl Kerben ein. Die Parteien kontrollierten die durch die Kerben festgelegte Vereinbarungen, indem sie die Kerbholzhälften miteinander verglichen. Das Kerbholz war vor der Einführung schriftlicher Rechnungslegung das wichtigste Gerät zur Aufzeichnung von Lieferungen unde Arbeitsleistungen. Im Laufe der Zeit hat sich der Sinn dieser Redewendung gewandelt. Heute bedeutet „etwas auf dem Kerbholz haben“, das jemand kriminell ist und bereits einige Verbrechen begangen hat.

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Fotothek df tg 0000369 Bergwerk ^ Bergbau ^ Hunt ^ Karren“ von Deutsche Fotothek. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.
Verwendung im Bergbau: Ein Bergbeamter registriert die angelieferte Erzmenge mittels Kerbholz (Darstellung nach Georgius Agricola (1556))

Jemanden unterjochen

Das Joch war ein Geschirr zum Anspannen von Zugtieren sowie eine Vorrichtung für Menschen, mit deren Hilfe schwere Lasten getragen oder transportiert wurden. Jemanden unterjochen bedeutet heute, dass diese Person unterdrückt wird.

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Maelkejunger aag fjelstrup haderslev 193x danske kvinders fotoarkiv“ von Unbekannt – Lars Møller: Da vi var børn Bind 1 1925-1940 (Københavns Bogforlag 1987) from Danske Kvinders Fotoarkiv. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Türmen gehen

Der Bergfried war als Flucht- und Wohnturm des älteste Bauteil jeder Burg. Man türmte vor dem Feind, indem man sich in den Turm zurückzog. Heute bedeutet „türmen gehen“ immer noch, dass man sich durch Weglaufen oder Fliehen in Sicherheit bringt; allerdings kann damit auch ein Ausbruch beispielsweise aus einem Gefängnis gemeint sein.


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Bergfried Schema“ von Otto Piper († 1921) – Otto Piper, Burgenkunde, München 1912. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Etwas durchhecheln

Die Hechel war ein kammartiges Werkzeug mit Drahtspitzen, durch das die Flachsfasern zum Öffnen und Reinigen gezogen, das heißt durchgehechelt werden. Heute wird das Tratschen über Personen und das schnelle Diskutieren von Sachverhalten als Durchhecheln bezeichnet.


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Noe hechel“ von FlominatorSelbst fotografiert. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Sich verhaspeln

Die Haspel war eine Vorrichtung, die das beim Spinnen anfallende Garn in Strangform brachte. Das hin und wieder bei diesem Arbeitsvorgang vorkommende Verheddern nannte man Verhaspeln.

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90Israhel van Meckenenem Verkehrte Welt“ von Israhel van Meckenem der Jüngere (etwa 1440–1503) – eingescannt aus: Alois Niederstätter: 1400 – 1522:das Jahrhundert der Mitte: an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, aus der Reihe Österreichische Geschichte, Wien 1996, ISBN 3-8000-3532-4. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Durchschlagender Erfolg

Die Durchschläge dienten zum Stellen der Hole für den Drahtzug. Hole waren die konischen Löcher in den Zieheisen, durch die der Draht mit Kraftaufwand in die Länge gezogen und verjüngt wurde. Da die Hole ihr Maß wegen der Reibung mit dem Draht während des Ziehvorgangs einbüßten, mussten sie von Zeit zu Zeit mit Hammer und Durchschlag auf das erforderliche Maß gebracht werden.

Zünftig

Ab dem 13. Jahrhundert bauten die Fandwerker in den Städten Zünfte – regional unterschiedlich auch Ämter, Gilden, Gaffeln oder Zechen genannt – als Selbstverwaltung auf. Jedes Handwerk hatte seine eigene Zunft. Die jeweiligen Zunftordnung legte Preise, Löhne, Arbeitszeiten, ferner Art, Menge und Güte der Warenproduktion fest, außerdem die Techniken und das Werkzeug, mit dem sie betrieben wurde. Die Zünfte regelten aber auch andere Bereiche des Lebens ihrer Mitglieder. Dazu gehörten auch gesellige Zusammenkünfte. Die heutige Bedeutung von „zünftig“ ist auf das gemeinsame Zusammensitzen, Trinken und Feiern reduziert.